Die René Schickele-Gesellschaft

Angesichts des Rückgangs der heimischen deutschen Dialekte im Elsass und in Ostlothringen, sowie der deutschen Standardsprache überhaupt, haben sich 1968 Elsässer und Ostlothringer zur René Schickele-Gesellschaft (Culture et Bilinguisme d'Alsace et de Moselle) zusammengefunden, um den drohenden Verlust dieser Eigenheit der Region Elsass und der Moselle einzudämmen. Ihr Ziel war es, mit den ver-schiedensten demokratischen Mitteln diese Entwicklung umzukehren. Einmal durch die Rehabilitierung der deutschen Sprache bei uns nach dem Krieg, dann durch Forderung nach einem nach 1945 voll-ständig ausgesetzten Deutschunterricht in der Grundschule, durch Förderung der deutschen Sprache auf allen Gebieten, in der Öffentlichkeit u.a. durch die über-kommene deutschsprachige Topographie, der Benutzung der vorhandenen Sprachkenntnisse in Theater und Veran-staltungen usw., ohne der Verbreitung der französischen Sprache schaden zu wollen. Das Motto der Gesellschaft war und ist: "Zweisprachig, unsere Zukunft".

Einen ersten, größeren Erfolg erreichte die Gesellschaft nach der Gründung von zahlreichen "freien" Deutschklassen, die dann 1972 die allmähliche, zaghafte Wiedereinführung des Deutschunterrichts in den Grundschulen ver-anlasste. Heute ist die Schickele-Gesellschaft eine nicht mehr aus der kulturellen Szene wegzu-denkende Wirklichkeit, freilich auch eine Wirk-lichkeit, die, zumindest von "chauvinistischer" Seite her, unverdrossen bekämpft wird.

Die Gesellschaft hat eine Informationstätigkeit entwickelt: mit einer Werbungsanzeige in der Presse, 1973; durch Werbungsplakate, 1975; mit einem Warmluftballon; mit einer Broschüre zur Wahl des Hochdeutschen als erste Sprache in der 6. Klasse (6e im "Collège"), 1981, 1982. Initiative, die dann von den elsässischen Departements übernommen wurde; Antrag auf Unterricht der deutschen Sprache von der Kleinkinderschule an, der von der Mehrzahl der Gewählten unterschrieben wurde (1985) und Untersuchungen, Mitteilungs-blätter (1989-90) und Dokumentation für die Bürgermeister. Sie hat auch eine Ausbildungsarbeit entwickelt: Seminare, "Sommeruniversitäten", Vor-träge, Dichterlesungen, Reisen, usw.

Eines unserer Hauptanliegen, nämlich das eines echten zweisprachigen Unterrichts, konnte 1988/89 nicht mit den hergebrachten Mitteln weitergeführt werden. Darum schien es nötig, dass eine Elternvereinigung (ABCM-Zweisprachigkeit) die Nachfrage nach einem solchen Unterricht beweisen und auch tragen würde, sei es durch Informationsarbeit bei anderen Eltern, sei es durch eigene paritätische Klassen mit Unterstützung der elsässischen Gebietskörperschaften, von Brüssel oder Stiftungen. Lange Zeit war die Sekretariats-arbeit für ABCM von der René Schickele-Gesell-schaft erledigt worden. Die beiden Vereinigungen stehen in enger Beziehung. So war es möglich, dem öffentlichen Schuldienst gegenüber enegischer aufzutreten, mit wissenschaftlichen Argumenten und durch die Existenz von ABCM-Klassen die Widerstände abzubauen. Seitdem hat die kulturelle Arbeit und die Sprachenpolitik neue Wege eingeschlagen. Die Zahl der zweisprachigen Klassen erhöht sich u.a. im Oberelsass. Auf diesem Gebiet hat aber unsere Gesellschaft noch ein weites Betätigungsfeld. Weiter setzen wir uns ein für die Ratifizierung der "Europäischen Konvention für die Sprachminderheiten" durch Frankreich, für die Verbreitung deutschsprachigen Lesegutes, nament-lich durch Unterstützung von Gemeinde- und Schulbibliotheken, durch Förderung der herge-brachten Toponymie (Toponymie-Kolloquium, 1996), durch Aufklärungsarbeit bei den irre-geführten Landsleuten und der Lehrerschaft, der wir Dokumentationsmaterial liefern. Wir geben in diesem Sinn unsere Zeitschrift "Land un Sproch" heraus, sowie auch Bücher, Kalender, Schriften, pädagogisches Material, Kassetten, usw.

Wir stehen in ständiger Beziehung vor allem zu den offiziellen Stellen der Region und zur Bejahung und Förderung des Europagedankens bei uns.

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